Neujahrsgedichte

Ein neues Jahr ist wie ein neuer Bankkunde: 
solange nichts Nachteiliges von ihm bekannt ist, sollte man ihm Kredit geben.
Verfasser unbekannt

Neujahrsgebet eines Pfarrers Spruch für die Silvesternacht (Kästner)
Ein neues Buch, ein neues Jahr (Fontane) Der dreizehnte Monat (Kästner)
Am letzten Tag des Jahres (Droste-Hülshoff) Neujahrsvorsatz (unbekannt)
Zum Neuen Jahr (Goethe) Zum Neuen Jahr (Eduard Mörike)
Neujahr (Busch) Neujahrsglocken (C.F.Meyer)
Neujahrslied (Johann Peter Hebel) Wunsch für das Neue Jahr (unbekannt)
Neujahrslied (Grillparzer) Von guten Mächten (Dietrich Bonhoeffer)

Was fange ich Silvester an? (Tucholsky)

Ein neues Jahr hat neue Pflichten (Goethe)
Jahres-Ende (Maria-Luise Weissmann)

Neujahrswunsch (Volksgut)  

Neujahrsmorgen (Sonja Drechsel)

Der Januar (Kästner)

Neujahr-GIFs


Jahreswechsel ~ Zeit zum Innehalten und Nachdenken
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Über die Hl. Drei Könige

Mit  HUMOR  ins Neue Jahr

Weihnachtliches

Winterlyrik


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Man sagt, heute sei Neujahr. 
Punkt 24 Uhr sei die Grenze zwischen dem alten und dem neuen Jahr. 
Aber so einfach ist das nicht. Ob ein Jahr neu wird, liegt nicht am Kalender, nicht an der Uhr. 
Ob ein Jahr neu wird, liegt an uns. 
Ob wir es neu machen, ob wir neu anfangen zu denken,
 ob wir neu anfangen zu sprechen, ob wir neu anfangen zu leben.

Johann Wilhelm Wilms (1772-1847),
deutscher Komponist und Musiklehrer
 

Begrüße das neue Jahr
vertrauensvoll
und ohne Vorurteile,
dann hast du es
schon halb zum
Freunde gewonnen.
(Novalis)

Neujahrsgebet 
Gebet des kath. Stadtdechanten und Pfarrers von St. Lamberti (Münster),
 Hermann Kappen, zu Neujahr 1883

Herr, setze dem Überfluss Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden

Lasse die Leute kein falsches Geld machen
und auch das Geld keine falschen Leute

Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Männer an ihr erstes.

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.

Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.

Gib den Regierenden gute Deutsche
und den Deutschen eine gute Regierung.

Herr, sorge dafür, dass wir alle
in den Himmel kommen
- aber nicht sofort.

 

 

Ein neues Buch, ein neues Jahr ...

Ein neues Buch, ein neues Jahr
Was werden die Tage bringen?!
Wird's werden, wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?

Ich möchte leben, bis all dies Glühn
Rücklässt einen leuchtenden Funken.
Und nicht vergeht, wie die Flamm' im Kamin,
Die eben zu Asche gesunken.

Theodor Fontane (1819-1898)

 

 

Am letzten Tag des Jahres (Silvester)

Das Jahr geht um,
Der Faden rollt sich sausend ab.
Ein Stündchen noch, das letzte heut,
Und stäubend rieselt in sein Grab,
Was einstens war lebend'ge Zeit.
Ich harre stumm.
 
's ist tiefe Nacht!
Ob wohl ein Auge offen noch?
In diesen Mauern rüttelt dein
Verrinnen, Zeit! Mir schaudert, doch
Es will die letzte Stunde sein
Einsam durchwacht,
 
Gesehen all,
Was ich begangen und gedacht.
Was mir aus Haupt und Herzen stieg,
Das steht nun eine ernste Wacht
Am Himmelstor, O halber Sieg!
O schwerer Fall!
 
Wie reißt der Wind
Am Fensterkreuze! Ja, es will
Auf Sturmesfittichen das Jahr
Zerstäuben, nicht ein Schatten still
Verhauchen unterm Sternenklar.
Du Sündenkind,
   
War nicht ein hohl
Und heimlich Sausen jeder Tag
In deiner wüsten Brust Verlies,
Wo langsam Stein an Stein zerbrach,
Wenn es den kalten Odem stieß
Vom starren Pol?
 
Mein Lämpchen will
Verlöschen, und begierig saugt
Der Docht den letzten Tropfen Öl.
Ist so mein Leben auch verraucht?
Eröffnet sich des Grabes Höhl
Mir schwarz und still?
  
Wohl in dem Kreis,
Den dieses Jahres Lauf umzieht,
Mein Leben bricht. Ich wußt es lang!
Und dennoch hat dies Herz geglüht
In eitler Leidenschaften Drang!
Mir brüht der Schweiß
  
Der tiefsten Angst
Auf Stirn und Hand. - Wie? dämmert feucht
Ein Stern dort durch die Wolken nicht?
Wär es der Liebe Stern vielleicht,
Dir zürnend mit dem trüben Licht,
Daß du so bangst?
  
Horch, welch Gesumm?
Und wieder? Sterbemelodie!
Die Glocke regt den ehrnen Mund.
O Herr, ich falle auf das Knie:
Sei gnädig meiner letzten Stund!
Das Jahr ist um!

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

 

 

 

Zum neuen Jahr

Zwischen dem Alten,
Zwischen dem Neuen
Hier uns zu freuen
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.
   
Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.
  
Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!
   
Dankt es dem regen
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut!
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!
   
Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet, das Neue
Findet uns neu.
  
So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar;
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

 

 

Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn
    Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
    Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
    Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
    Möge dir gelingen

Wilhelm Busch (1832-1908)

 

 

 

Neujahrslied

Mit der Freude zieht der Schmerz
traulich durch die Zeiten.
Schwere Stürme, milde Weste,
bange Sorgen, frohe Feste
wandeln sich zur Seiten.

War´s nicht so im alten Jahr?
Wird´s im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken gehn und kommen wieder,
und kein Wunsch wird´s wenden.

Und wo eine Träne fällt,
blüht auch eine Rose.
Schön gemischt, noch eh wir´s bitten,
ist für Thronen und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose.

Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Waage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jeden Mut für seine Leiden
in die neuen Tage.

Jedem auf des Lebens Pfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.

Johann Peter Hebel (1760-1826)

 

 

 

Neujahrslied

Gebe denn, der über uns
Wägt mit rechter Waage,
Jedem Sinn für seine Freuden,
Jedem Mut für seine Leiden
In die neuen Tage!

Jedem auf des Lebens Pfad
Einen Freund zur Seite,
Ein zufriedenes Gemüte
Und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite!

Franz Grillparzer (1791-1872)

 

 

 

Was fange ich Silvester an?

Was fange ich Silvester an?
Geh ich in Frack und meinen kessen
Blausanen Strümpfen zu dem Essen,
Das Herrn Generaldirektor gibt?
Wo man heut nur beim Tanzen schiebt?
Die Hausfrau dehnt sich wild im Sessel -
Der Hausherr tut das sonst bei Dressel -,
Das junge Volk verdrückt sich bald.
Der Sekt ist warm. Der Kaffee kalt -
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?

Wälz ich mich im Familienschoße?
Erst gibt es Hecht mit süßer Sauce,
Dann gibt's Gelee. Dann gibt es Krach.
Der greise Männe selbst wird schwach.
Aufsteigen üble Knatschgerüche.
Der Hans knutscht Minna in der Küche.
Um zwölf steht Rührung auf der Uhr.
Die Bowle -? (<Leichter Mosel>nur - )
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?

Mach ich ins Amüsiervergnügen?
Drück ich mich in den Stadtbahnzügen?
Schrei ich in einer schwulen Bar:
"Huch, Schneeballblüte! Prost Neujahr -!"
Geh ich zur Firma Sklarz Geschwister -
Bleigießen? Ists ein Fladen klein:
Dies wird wohl Deutschlands Zukunft sein...
Prost Neujahr!
Helft mir armem Mann!
Was fang ich bloss Silvester an?

Kurt Tucholsky 

 

 

 

Jahres-Ende
 
Du greises Jahr: du eilst, dem Ziele zu
Rascher und rascher, sehnst dich nach der Ruh
In einem tiefen grenzenlosen Tod.
Doch sieh: ich eile schneller, nach dem Rot
Des neuen Morgens gierig, dir voraus.
O komm! Hinübergeh! Lösch aus, lösch aus!
Gezeichnetes, Beladenes, befleckt
Mit großer Müdigkeit, mit Schmerz bedeckt -
Vergeh - ich werde! Stirb - und ich vermag
Aufzuerstehn: o neuer, reinster Tag!

Maria-Luise Weissmann (1899-1929)

 

 

Spruch für die Silvesternacht

Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat!

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!

Erich Kästner, Gesammelte Schriften für Erwachsene
Atrium Verlag, Zürich, 1969

 

 

 

Der dreizehnte Monat

Wie säh er aus, wenn er sich wünschen ließe?
Schaltmonat wär? Vielleicht Elfember hieße?
Wem zwölf genügen, dem ist nicht zu helfen.
Wie säh er aus, der dreizehnte von zwölfen?

Der Frühling müßte blühn in holden Dolden.
Jasmin und Rosen hätten Sommerfest.
Und Äpfel hingen, mürb und rot und golden,
im Herbstgeäst.

Die Tannen träten unter weiß beschneiten
Kroatenmützen aus dem Birkenhain
und kauften auf dem Markt der Jahreszeiten
Maiglöckchen ein.

Adam und Eva lägen in der Wiese.
Und liebten sich in ihrem Veilchenbett,
als ob sie niemand aus dem Paradiese
vertrieben hätt.

Das Korn wär gelb. Und blau wären die Trauben.
Wir träumten, und die Erde wär der Traum.
Dreizehnter Monat, laß uns an dich glauben!
Die Zeit hat Raum!

Verzeih, daß wir so kühn sind, dich zu schildern.
Der Schleier weht. Dein Antlitz bleibt verhüllt.
Man macht, wir wissen's, aus zwölf alten Bildern
kein neues Bild.

Drum schaff dich selbst! Aus unerhörten Tönen!
Aus Farben, die kein Regenbogen zeigt!
Plündre den Schatz des ungeschehen Schönen!
Du schweigst? Er schweigt.

Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise.
Und werden kann nur, was schon immer war.
Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise.
Und dem Dezember folgt der Januar.

Quelle: Erich Kästner, Die dreizehn Monate. München 1999

 

 

 

Neujahr
 
Fürs Neue Jahr nehm´ ich mir vor,
ich schieße endlich mal ein Tor,
auch will ich nicht mehr Biere trinken
und dann mit meiner Fahne winken.
 
Kein Hasch, kein Koks, kein LSD,
im nächsten Jahr trink ich nur Tee!
So laß ich dann das Rauchen sein,
eß mittags auch kein halbes Schwein.
   
Ich treib dann Sport, z.B. Schach
bleib´ nach dem Saufen immer wach.
Ups, ich vergaß ich wollt nichts saufen,
stattdessen lieber n´bißchen laufen.
 
Mal abzunehmen und fit zu werden,
der beste Sportler hier auf Erden,
im Studium werd´ ich alles geben,
wow - was wird das für ein Leben!
  
Ein bißchen viel wohl für ein Jahr,
so eine Liste, das ist klar.
Ich nehm´ mir doch nicht so viel vor,
ich merk mir nur das mit dem Tor!

Verfasser unbekannt

 

 

 

Zum neuen Jahr

Wie heimlicher Weise
ein Engelein leise
mit rosigen Füßen
die Erde betritt,
so nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
ein heilig Willkommen,
ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!

In ihm sei's begonnen,
der Monde und der Sonnen
an blauen Gezelten
des Himmels bewegt!
Du Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
sei Anfang und Ende
sei alles gelegt!

Eduard Mörike (1804-1875)

 

 

 

Neujahrsglocken

In den Lüften schwellendes Gedröhne,
Leicht wie Halme beugt der Wind die Töne:

Leis verhallen, die zum ersten riefen,
Neu Geläute hebt sich aus den Tiefen.

Grosse Heere, nicht ein einzler Rufer!
Wohllaut flutet ohne Strand und Ufer.

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)

 

 

 

Zum neuen Jahr

Ich bringe Dir zum neuen Jahr
die allerbesten Wünsche dar
und hoffe, dass es bis zum Ende
Dir lauter gute Tage wende!
Es schenke Dir der Januar
und ebenso der Februar
und auch der Frühlingsbote März
Gesundheit und ein frohes Herz!
Dann führe Dir April und Mai
die schönste Frühlingszeit herbei.
Im Juni, Juli und August
erfreue Dich an Sommerlust.
September und Oktoberzeit
vergehe Dir in Freudigkeit.
November lasse sich ertragen,
dann mögest Du im Dezember sagen
als Lob und Preis des ganzen Jahres:
“ Gottlob, recht schön und glücklich war es.“

Verfasser unbekannt

 

 

Von guten Mächten

Von guten Mächten treu und still umgeben, 
behütet und getröstet wunderbar.

So will ich diese Tage mit euch leben 
und mit euch gehen in ein neues Jahr.


Noch will das alte unsre Herzen quälen, 
noch drückt uns böser Tage schwere
Last.
Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
 das Heil, das du für uns
bereitet hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, 
den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,

so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
 aus deiner guten und geliebten Hand.


Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
 an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz.

Dann wollen wir des Vergangenen gedenken
und dann gehört dir unser Leben
ganz.

Laß warm und still die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit
gebracht.
Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es: Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.


Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)

 

"Ein neues Jahr hat neue Pflichten.
Ein neuer Morgen ruft zu frischer Tat.
Stets wünsche ich ein fröhliches Verrichten
und Mut und Kraft zur Arbeit früh und spat."
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

 

 Komm, Neues Jahr, und bring uns Gottes Segen
und Kraft, die Lieb‘ und Einigkeit zu pflegen.
Pierre Baron de Coubertin (1863-1937)

 

 

Neujahrswunsch

Glück und Segen
auf auf allen Wegen!
Frieden im Haus
jahrein, jahraus!
In gesunden und in kranken Tagen
Kraft genug, Freud und Leid zu tragen.
Stets im Kasten ein Stücklein Brot,
das geb’ uns Gott

Volksgut

 

 

Der Januar
Erich Kästner

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt. 

Die Amseln frieren. Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
daß sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Krieg?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.